Sprache der Hunde

Beschwichtigungssignale - die Lebensversicherung der Hunde

In der Literatur der Wölfe finden wir bestimmte Merkmale ihrer Körpersprache beschrieben, die als „cut off signals“ bezeichnet werden, weil die Beobachter gesehen haben, wie der Gebrauch dieser Signale Aggressionen stoppte. Hunde haben dieselben sozialen Fähigkeiten, Konflikte abzuwehren, wie Wölfe. Wölfe kommunizieren meist viel intensiver und direkter miteinander, aber auch unsere Hunde können ebenfalls sehr deutlich und direkt sein, aber sie haben auch eine unauffälligere und feinere Sprache – manche sprechen sie sozusagen in Kleinbuchstaben . Und um diese kleinen, feinen Signale zu erkennen, ist ein wenig Training nötig, vor allem, wenn man es nicht gewohnt ist, auf sie zu achten. Es wäre nicht ganz richtig, sie als Stoppsignale zu bezeichnen, weil die Hunde sie in der Regel bereits einsetzten, bevor es etwas zu stoppen gibt. Sie dienen als reine Vorbeugemaßnahme, um Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen. Sie sollen Bedrohungen und Probleme vermeiden, Streß und Unruhe, Nervosität, laute Geräusche und andere unangenehme Dinge beschwichtigen. Die Signale können auch der eigenen Beruhigung dienen. Wenn der Hund an der Tür sitzt, sich unbändig auf den Spaziergang freut und ganz aus dem Häuschen vor lauter Begeisterung ist, wird er oftmals gähnen, um den Streß zu mildern. Die Signale sollen alle Beteiligten beruhigen.
Hunde sind Rudeltiere, deren Sozialverhalten zu einem wesentlichen Teil durch Konfliktvermeidung bestimmt ist. Hunde, die während ihres Aufwachsens normale Möglichkeiten hatten, ihre Sprache im Zusammensein mit anderen Hunden zu entwickeln, werden in der Regel sozialverträgliche Tiere mit der Fähigkeit, Konflikte zu lösen. Haben Sie einen Teil dieses so wichtigen Kommunikationssystems verloren, dann oft deshalb, weil sie von Menschen, die diese Signale falsch interpretiert oder nicht erkannten, bestraft wurden, als sie zu beschwichtigen versuchten. So wagen sie es nicht mehr, diese Signale einzusetzen. Manchmal haben sie ihre Sprache auch aufgrund von fortgesetztem Mobbing oder durch Attacken anderer, vielleicht aggressiver und schlecht sozialisierter Hunde verloren, die sie trotz aller Beschwichtigungsversuche angegriffen haben. Sofern sie einen Teil ihrer Sprache und die Fähigkeit zum sozialen Umgang behalten haben, versuchen Hunde jedenfalls ganz eindeutig Konflikte zu vermeiden. Hunde verwenden Sprache und Signale die ganze Zeit, in der sie wach sind und die geringste Kleinigkeit um sie herum geschieht.
Sehen wir uns an, welche Signale dies sind, wann und wie sie evtl. eingesetzt werden und wie wir sie erkennen können. Sie werden Ihren Hund viel besser verstehen, wenn Sie seine Signale lesen können und sehen, was er seiner Umgebung mitzuteilen versucht.

Nehmen wir nur einen ganz normalen Tag, hier drei Beispiele

• Sie beide wollen Gassi gehen, und Sie befehlen mit gereizter Stimme „sitz“, weil der Hund an der Tür hochspringt und drängelt. Der Hund antwortet darauf, indem er sich die Schnauze leckt, gähnt, sich umdreht oder auch ganz still sitzt, bis Ihre Aggression vorbei ist.
• Ein anderer Hund taucht in der Ferne auf, und Ihr Hund beginnt langsamer zu gehen, dreht sich vielleicht um oder schnüffelt am Boden, um ganz sicherzugehen, dass der andere Hund gesehen hat, wie freundlich er ist.
• Hunde können tatsächlich in der gleichen Situation ganz unterschiedliche Beschwichtigungssignale zeigen. Ein Hund kann innehalten, still stehen bleiben, den Kopf zur Seite drehen und sich das Maul lecken, während der Hund, der auf ihn zukommt, langsam im Bogen um ihn herumgeht, am Boden schnüffelt und darauf achtet, dem stehenden Hund die Körperseite zuzuwenden. Ist ein dritter Hund anwesend, sitzt er vielleicht daneben und gähnt, oder legt sich auf den Boden. Sie geben einander verschiedene Signale, und sie verstehen sie alle, weil es ihre eigene Sprache ist, die sie von ihren Vorfahren geerbt haben.
Das Ausdrucksrepertoire des Hundes beinhaltet Drohgebärden, die auch als distanzfordernde Signale bezeichnet werden. Sie bestehen aus:
• Zähnefletschen
• Knurren
• Bellen
• Scheinangriff
• Schnappen
Sie haben zum Ziel, das Unbehagen auslösende Element auf Abstand zu halten, es zu vertreiben. Das, was Hunde an uns Menschen bedrohlich finden, ist unter anderem zorniges und aggressives Verhalten, dass wir direkt auf sie zugehen, uns über sie beugen, sie anstarren, sie festhalten und ähnliches. Ein Hund wird in der Regel als erstes versuchen, den Bedroher zu beschwichtigen, es sei denn, die Bedrohung kommt völlig unerwartet, etwa wenn ein Kind stolpert und auf einen schlafenden Hund fällt.
Wenn wir in der Nähe eines Hundes sind, haben wir immer die Wahl: Wir können uns drohend und damit feindlich verhalten oder beschwichtigen und damit freundlich. Wir haben diese Wahlmöglichkeit jederzeit, und wie immer wir uns entscheiden, es wird Auswirkungen auf unsere Beziehung zu diesem Hund haben. Wenn Sie eine drohende Haltung einnehmen, muß der Konfliktlöser Hund versuchen, Sie zu beschwichtigen. Falls dies nicht gelingt, wird er versuchen, Sie zu vertreiben.
Von wie vielen Signalen sprechen wir ?
Wir kennen achtundzwanzig, neunundzwanzig. Manche dieser Signale sind doppelt belegt, in dem Sinne, dass Sie in manchen Situationen einem anderen Zweck als der Beschwichtigung dienen. Manche werden blitzschnell, andere länger gezeigt. Es braucht wie gesagt ein wenig Zeit und Übung, bevor man gelernt hat, sie alle zu erkennen, aber es ist die Arbeit und den Zeitaufwand wirklich wert. Sie werden in der Lage sein zu erkennen, was zum Beispiel in Ihrem Hund vor sich geht, wenn Sie dazwischengehen, um eine unangenehme
Entwicklung zu stoppen oder ihm aus einer bedrohlichen Situation herauszuhelfen. Denn schließlich Sie sind der Rudelführer, der nicht nur das Rudel leitet, sondern auch sein Rudel im Angriffsfall mit beschützen sollte.
Wie werden die Beschwichtigungssignale erkannt und eingesetzt ?

Den Kopf abwenden

Der Hund dreht den Kopf erst zur einen und dann zur anderen Seite, oder er wendet den Kopf für eine längere Zeit ab. Manchmal ist die Bewegung kaum erkennbar, manchmal dreht er den Kopf beinahe übertrieben deutlich weg. Ihr Hund wird dieses Kopfabwenden vielleicht einsetzen, wenn ein anderer Hund ein bisschen zu schnell oder zu direkt auf ihn zukommt. Ihr Hund könnte auch den Kopf zur Seite drehen, wenn Sie sich über ihn beugen, umarmen, hochheben oder Sie seine Ihnen abgewandte Körperseite tätscheln. Vielleicht steht er still, wendet aber den Kopf ab – das reicht schon, um Ihnen zu sagen, dass er sich in der momentanen Situation unwohl fühlt. Sie können dieses Signal auch selbst wirkungsvoll einsetzen. Falls ein Hund sich unsicher verhält oder Beschwichtigungssignale aussendet, während Sie auf ihn zugehen, sollten Sie den Kopf abwenden.

Der Gebrauch der Augen; Augenlider senken, Augenzwinkern

Manchmal wendet der Hund den Kopf gar nicht oder nur minimal ab, sondern lässt statt dessen nur die Augen von einer Seite zur anderen wandern und zieht es vor stocksteif zu sein. Das wird beispielsweise so sein, wenn Sie den Hund umschlungen halten und ihm so die Möglichkeit nehmen, den Kopf wegzudrehen. Manchmal lässt er nicht nur seine Augen gleiten, sondern er blinzelt auch noch recht hastig. In wieder anderen Fällen wird er die Augen nur auf- und zumachen und sie nicht nach links und rechts rollen. Auch dieses Signal können Sie selbst anwenden, wenn ihnen die Möglichkeit fehlt den Kopf zu wenden wie z.B. der angriffsbereiter Hund steht bereits vor ihnen. Der Gebrauch der Augen kann auch darin bestehen, „den Blick zu verkürzen“. Das bedeutet, nicht zu starren, sondern die Augenlider zu senken und dadurch den Blick weicher zu machen.

Sich abwenden; Kopf, Seite, Rücken

Jemandem die Flanke oder das Hinterteil zuzudrehen ist ein stark beschwichtigendes Signal. Dieses Signal zeigen Hunde oft, wenn jemand plötzlich auftaucht oder zu schnell auf sie zugeht. Wenn sich erwachsene Hunde von Welpen und Junghunden zu sehr geplagt fühlen, wenden sie sich in den meisten Fällen ab. Sie selbst können dieses Signal anwenden, wenn sich ein Hund von Ihnen bedroht fühlt und bereits aggressiv ist indem Sie sich wegdrehen. Auch wenn Sie ein Hund vor Freude anspringt, drehen Sie ihm den Rücken zu. Vergessen Sie aber nicht, ihn dann zu begrüßen und zu loben, wenn er verstanden hat und nicht mehr spring.

Die Nase lecken

Der Hund leckt sich das Maul mit einer raschen Zungenbewegung, in der Regel hinauf bis zur Nase, aber nicht immer. Das Lecken geschieht oft so schnell, dass man es fast nicht bemerkt. Ein Hund macht das oft, wenn er einem anderen Hund begegnet oder Sie sich zum Beispiel über Ihren Hund beugen, ihn greifen, mit ärgerlicher Stimme ansprechen oder festhalten. Sie können dieses Signal natürlich bis zu einem gewissen Grad auch selbst anwenden, indem Sie sich mit der Zunge über den Mund fahren. Aber es gibt natürlich auch Situationen, in denen das eher seltsam auf Ihre Mitmenschen wirkt.

Das Erstarren / Einfrieren

Ihr Hund wird manchmal in stehender, sitzender oder liegender Haltung „einfrieren“ und sich vollkommen passiv verhalten, um sein Gegenüber zu beschwichtigen. Zwei Rüden, die sich treffen, werden sich sehr vorsichtig und abwägend verhalten, um keinen Konflikt heraufzubeschwören. Sie werden sich oftmals langsam bewegen und plötzlich in eingefrorener Stellung verharren, bis sich einer von ihnen langsam entfernt. Wenn Sie Ihrem Hund voller Zorn oder Aggression ein Kommando geben, werden sie nicht selten sehen, dass der Hund wie festgefroren in seiner Position erstarrt und so aussieht, als hätte er überhaupt nichts gehört. Auch Sie können dieses Signal einsetzen indem sie stocksteif stehen und blinzeln, dann Kopf abwenden und sich langsam entfernen.

Langsame Bewegungen

Schnelle Bewegungen wirken bedrohlich, langsame Bewegungen haben einen beschwichtigenden Effekt. Manchmal reduziert Ihr Hund sein Tempo nur ein wenig, andere Male bremst er so stark ab, dass fast keine Bewegung mehr zu erkennen ist. Achten Sie einmal darauf, wenn Sie das nächste Mal mit Ihrem Hund draußen sind und er plötzlich beginnt, sein Tempo zu drosseln. Anstatt ihn auszuschimpfen oder mit sich zu ziehen, sollten Sie Ausschau halten- kommt Ihnen da etwas entgegen von dem der Hund meint, es beschwichtigen zu müssen ? Ihr Hund wendet langsame Bewegungen in vielen Situationen an, über die Sie nicht einmal nachdenken. Wenn Sie Ihren Hund rufen und Ihre Stimme aggressiv und gereizt klingt, wird er in den meisten Fällen sofort das Tempo verlangsamen, um zu Ihnen zu kommen. Die streng befehlende Stimme wird sehr oft zur Folge haben, dass das gegebene Kommando nur im Schneckentempo ausgeführt wird. Wenn mehrere Hunde zusammenkommen und einige von ihnen sehr aufgedreht sind, werden sie in der Regel beobachten können, dass mindestens einer der Hunde versucht, die Hektik zu mildern. Vielleicht verharrt er sogar ganz still, um die anderen zu beruhigen.

Das Wedeln

Wenn ein Hund mit dem Schwanz wedelt, muß das keineswegs bedeuten, dass er sich freut. Tritt das Wedeln zusammen mit Signalen des Ausdrucksverhaltens auf, die etwas anderes sagen, versucht der Hund zu beschwichtigen. Beispielsweise er kommt in abgesenkter Stellung auf einen zu, senkt den Blick dabei und wedelt vorsichtig mit dem Schwanz, so beschwichtigt er eindeutig. In vielen Situationen könnte man sagen, dass das Wedeln gewissermaßen eine „weiße Fahne“ ist, eine Bitte um Verschonung – also ein Beschwichtigungssignal.

Die Vorderkörpertiefstellung

Wenn der Oberkörper und die Vorderläufe gesenkt werden zur sogenannten Vorderkörpertiefstellung, handelt es sich in vielen Fällen um eine Einladung zum Spiel –weshalb wir diese Haltung auch als Spielhaltung bezeichnen. Der Hund wird sich dann oftmals leicht hin und her bewegen, eventuell bellen und insgesamt fröhlich und auffordernd wirken. Andere Male werden sie vielleicht beobachten, dass er den Oberkörper senkt und in dieser Haltung einen Moment verharrt oder dass er eventuell vorne runtergeht, gleich wieder hochkommt und vielleicht noch andere Beschwichtigungssignale zeigt. Auch ein zu wildes Spiel kann durch dieses Signal beschwichtigt werden, indem der Hund die Tiefstellung einnimmt und dabei verharrt. Manchmal kann man beobachten, dass erwachsene Hunde die Vorderkörpertiefstellung gegenüber ängstlichen Welpen anwenden. Sie wollen in diesem Moment wahrscheinlich gar nicht unbedingt spielen, aber diese Haltung hat einen beruhigenden Effekt und wird deshalb als Beschwichtigungssignal eingesetzt.

Das Hinsetzen

Manchmal setzt sich der Hund einfach hin. Und manchmal wendet er einem, des größeren Effekts wegen, den Rücken zu, bevor er sich setzt. Ein erwachsener Hund lief sehr stürmisch auf den Junghund zu, worauf sich dieser beschwichtigend hinsetzte. Sie können dieses Signal leicht selbst anwenden. Ist Ihr Hund oder der Hund eines anderen unsicher, gestresst, quengelig oder unruhig, denn setzen Sie sich hin und entspannen Sie sich. Lesen Sie Zeitung, machen Sie den Fernseher an oder sitzen sie einfach nur da. Das hat einen unglaublich beschwichtigenden Effekt. Der Hund hat dadurch die Möglichkeit ebenfalls zu entspannen und oftmals kommt er dann an und beschnüffelt die Angelegenheit in Ruhe.

Das Hinlegen

Was das betrifft, kursieren eine Reihe von Missverständnissen. Wenn ein Hund sich auf den Rücken legt, mit Bauch und Beinen nach oben, kann dies in einigen Fällen als Unterwerfung bezeichnet werden. Legt er sich auf den Bauch, die Beine am Boden, so hat dies nichts mit Unterwerfung zu tun. Vielmehr ist es eines der stärksten Beschwichtigungssignale, die es gibt. Oftmals wird ein ranghoher Hund sich hinlegen und still liegen bleiben, um Ruhe und Ordnung in ein Hunderudel zu bringen. Ihr Hund wird dieses Signal zum Beispiel einsetzen, wenn das Spiel um ihn herum zu wild wird. Ein erwachsener Hund legt sich hin, um einen anderen, unsicheren Hund zu beruhigen. Die Wirkung des Hinlegens ist stark, und deshalb auch für Sie eines der besten und effektivsten Mittel ihren Hund zu beschwichtigen. Legen Sie sich auf das Sofa, schauen Sie fern, lesen Sie ein Buch – Sie werden keine bessere Methode finden, um einen Hund zur Ruhe zu bringen.

Das Gähnen

Diese Signal finden die Leute so interessant, dass es immer eine Menge Kommentare dazu gibt. Wir Menschen gähnen viel, wenn wir müde oder gestresst sind oder uns in einer angespannten Situation befinden. Das tun Hunde auch, aber Hunde gähnen viel öfter zur Beschwichtigung als vor Müdigkeit. Sie werden beobachten können, dass Ihr Hund gähnt, wenn er aufgeregt ist, wie eventuell im Wartezimmer des Tierarztes. Aber auch in Situationen, in denen Sie mit Ihren Kindern schimpfen, Ehepartner streiten oder auf andere Art Lärm und Spannungen verursachen. Vergessen Sie nicht, dass für den Konfliktlöser Hund jede sich anbahnende Auseinandersetzung etwas ist, das gestoppt werden muß. Gähnen ist etwas, dass Sie selbst effektiv einsetzen können, um Ihren Hund zu beschwichtigen.

Im Bogen gehen

Hunde gehen normalerweise nicht direkt aufeinander zu. Sie tun es vielleicht, wenn sie sich gut kennen oder wenn sie sich aus anderen Gründen voll vertrauen. Manchmal senden sie einander so viele beschwichtigende Signale, dass sie es riskieren, geradewegs auf den anderen zuzugehen. Aber für gewöhnlich ändern sie die Richtung ein bisschen oder auch – je nach Situation – ganz deutlich. Das ist der Grund, warum die meisten Hunde so unsicher und verteidigungsbereit sind, wenn wir sie zwingen, geradewegs an einem anderen Hund vorbeizugehen. Wir können den Hunden beibringen, nahezu frontal aufeinander zuzugehen, aber das geht nur über ein entsprechendes Training. Sie können selbst ebenfalls einen Bogen schlagen, wenn sie einem Hund begegnen. Könnte der Hund frei entscheiden, würde er evtl. beim Spaziergehen sogar auf Ihre andere Körperseite wechseln, um beschwichtigen zu können. Auch bei uns Menschen gibt es nicht von ungefähr das Sprichwort: „Da mache ich lieber einen Bogen drum herum“.

Ignorieren

Rottweiler Max traf einen anderen großen Rüden auf dem Weg und schlug einen Bogen, während er gleichzeitig so tat, als wäre der andere gar nicht da. In solchen Situationen sind Hunde Meister darin, einander komplett zu ignorieren. Auch dieses Verhalten kann man als Beschwichtigungssignal bezeichnen. Es hat jedenfalls einen unglaublichen beschwichtigenden Effekt.

Am Boden schnüffeln

Alle Hunde schnüffeln auf dem Boden, werden Sie sagen. Ja, das tun sie, und oft schnüffeln sie, um Gerüche zu studieren und weil sie es lieben „Zeitung zu lesen“. Aber Schnüffeln ist tatsächlich auch ein häufig gebrauchtes Beschwichtigungssignal. Diese Art Schnüffeln kann ein Entlangführen der Nase über den Erdboden sein, ohne dass die Nase ihn berührt. Es kann auch eine Berührung des Bodens mit anschließendem Hochnehmen sein. In manchen Fällen ist es ein ausgiebiges Schnüffeln auf einer Stelle, und in anderen Fällen werden Sie sehen, dass die Nase den Boden beschnuppert, während die Augen das verfolgen, was im Umkreis geschieht und was der Hund zu beschwichtigen versucht. Sie sollten einfach in ihrer Gesamtheit betrachten, um herauszufinden, um was es eigentlich wirklich geht. Und manchmal bleibt uns nichts anderes übrig als zu raten. Wenn sie Ihrem Hund das Herankommen befehlen, wird er ab und zu darauf reagieren, indem er auf dem Boden schnüffelt. Er tut es nicht, weil er sich dominant fühlt, die Führung übernehmen will und deshalb den Gehorsam verweigert, sondern weil er eine Irritation in Ihrer Stimme hört oder weil Sie eine drohende Haltung einnehmen.

Das Dazwischengehen / Splitten

Sich körperlich zwischen Hunde oder Leute zu drängen soll verhindern, dass allzu große Nähe in einem Konflikt endet. Ein Gedränge zwischen Hunden aufzulösen, die nicht zum selben Rudel gehören, ist besonders wichtig, aber auch innerhalb des Rudels kann dieses Gedränge ein Anzeichen für einen möglichen Konflikt sein. Viele Leute missverstehen dieses Dazwischengehen des Hundes und glauben, es habe etwas mit Eifersucht zu tun. Aber das ist höchst unwahrscheinlich. Wenn zwei Hunde spielerisch miteinander raufen und es etwas zu grob wird, kann ein dritter Hund dazwischengehen und sie trennen, indem er sich von hinten oder von der Seite nähert. Auch wir können splitten gehen. Wenn zwei Hunde beginnen, angespannt aufeinander zu reagieren, stellen Sie sich ganz einfach dazwischen, falls noch etwas Platz ist. Bellt Ihr Hund etwas oder jemanden an, stellen Sie sich vor Ihren Hund und damit zwischen ihn und das angebellte Objekt.

Die Pfote heben

Die Pfote heben ist ein Beschwichtigungssignal, dass sie hin und wieder beobachten können, allerdings nicht sehr häufig. Beispiel: Eine Hündin sollte von vorne fotografiert werden und fühlte sich durch die auf sie gerichtete Kamera sichtlich unwohl. Während sie dasaß, schaute sie ständig zur Seite und hob mal die eine, mal die andere Pfote, bis die Fotositzung vorbei war.

das Markieren

Manchmal geschieht es aus purem Streß, so wie manche Menschen ständig auf die Toilette müssen, wenn sie unter Streß stehen. In anderen Fällen benutzen Hunde es zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls. So wie wir beispielsweise mit anderen eine Tasse Kaffee trinken, pinkeln die Hunde in Gesellschaft und tun damit gemeinsam etwas Unverfängliches. Bei einer Gruppe von Hunden können sie oft beobachten, wie die ganze Gruppe mehr oder weniger auf dieselbe Stelle pinkelt, wobei es in diesem Fall ganz zufällig ist, wer zuerst pinkelt und wer zuletzt.

Übersprungshandlungen

Übersprungshandlungen könnte man auch beschreiben als „etwas ganz anderes tun“. Hunde zeigen dieses Verhalten oft, ohne daß uns bewußt ist, weshalb. Beispielsweise ein Hund läuft auf einen Menschen zu, um ihn zu begrüßen, aber der Mensch blieb stehen und schwenkte die Arme abwehrend durch die Luft. Das wurde dem Hund unheimlich, daß er sich ein Stöckchen suchte und damit herumlief, wobei er versuchte, den Menschen zu ignorieren. Denn wenn ein Hund in angespannter Situationen plötzlich mit Vorderkörpertiefstellung, Urinieren oder Abdrehen mit Schnüffeln reagiert, handelt es sich um ein Beschwichtigungssignal.

das Lächeln

Das Lächeln benutzen manche Hunde zur freundlichen Kontaktaufnahme, während andere es deutlich als Beschwichtigungssignal einsetzen. Dabei hat der Hund das Maul geöffnet, als wenn er hecheln würde, wobei die Zunge dabei nicht aus dem Maul hängt.

Andere Signale

Außerdem gibt es noch Signale, die in Einzelfällen zu beobachten sind, wie:
• mit den Lippen schmatzen
• das Gesicht glattziehen (Welpengesicht)
• sich kindisch bzw. „welpisch“ benehmen, obwohl der Hund erwachsen ist.

Zusammenfassung

Es wurden die verschiedenen Beschwichtigungssignale nur in Kurzform versucht zu erklären. Bei jedem Beschwichtigungssignal finden Sie in diesem Buch noch viele Beispiele dafür, wie die Beschwichtigungssignale eingesetzt werden. Das Buch enthält noch viele Tips wie:
• Man die beschwichtigenden Signale beobachten lernt.
• Was können wir tun, wenn der Hund seine Sprache verloren hat ?
• Wann beginnen Welpen, Beschwichtigungssignale einzusetzen ?
• Führerschaft und Elternschaft.
• Geschichten aus der Wirklichkeit.
• Streß bei Hunden.
• Streßauslösende Faktoren beim Hund.
• Wie erkennt man, ob ein Hund gestreßt ist ?
• Was können wir tun, um den Streß bei Hunden zu reduzieren ?
• Praktischer Einsatz der Beschwichtigungssignale.
Fassen wir noch einmal zusammen, was wir als Beschwichtigungssignale bezeichnen: Im Gegensatz zu den Drohsignalen deren Zweck es ist, Distanz zu schaffen, jemanden fernzuhalten oder zu verscheuchen, haben die beschwichtigenden Signale zum Ziel, zu beruhigen und Angst, Streß, Zorn und andere Gemütszustände abzubauen, die irgendwie zu einem Konflikt führen könnten. Wir können sie als friedenstiftend, konfliktlösend, besänftigend bezeichnen, und ihr Zweck wird immer sein, Ruhe und Ärger zu vermeiden.
Falls Sie irgendwann einmal beobachten, daß Ihr Hund ein bestimmtes, bisher noch nicht beschriebenes Signal einsetzt, um jemanden zu beschwichtigen, dann haben Sie ein neues Beschwichtigungssignal entdeckt, das von Ihrem Hund verwendet wird. Solche Beobachtungen sind sehr wertvoll und können die Basis für weitere Beobachtungen sein, dann wird in unserer Liste ein weiteres Signal hinzugefügt.
Allzuviel mißverstandene Gehorsamkeit und übertriebene Kontrolle haben schon zu viele Hunde verdorben, weil sie ständig Strafe und Unannehmlichkeiten dafür ernteten, daß sie ihren natürlichen Beschwichtigungsinstinkten folgten. Am Ende trauten sie sich nicht mehr, diese Signale einzusetzen, und hatten schließlich einfach vergessen, wie es gemacht wird. Es gibt viele Hunde, die es gerne tun würden und verzweifelt herumlaufen, weil sie nicht wissen, wie – man hat es ihnen aberzogen. Sie haben das Selbstvertrauen verloren, ihre eigene Sprache zu benutzen, die so unerhört wichtig für jede Tierart ist, den Menschen eingeschlossen. Ohne Sprache sind wir ziemlich hilflos.

Hier noch ein schönes Zitat aus dem Buch Calming Signals des Häuptling Dan George !


Wenn du mit den Tieren sprichst,
werden sie mit dir sprechen,
und ihr werdet euch kennenlernen.
Wenn du nicht mit ihnen sprichst,
dann werdet ihr euch nie kennenlernen.
Was du nicht kennst, wirst du fürchten.
Was du fürchtest,
zerstörst du.


Die Hundesprache zu beherrschen kann tatsächlich viele Konsequenzen haben !